Das Heiligenhaus

Die Idee: Wir gehen an einen ungewöhnlichen Ort, der mit traditionellen künstlerischen Mitteln (der Fotografie) und der virtuellen Kunst (mit Projektionen) das Phänomen Heimat untersucht und diskutiert. Wir eröffnen einen Dialog zwischen jung und alt, fremd und verwurzelt. Hierbei fokussieren wir uns auf die ländliche Region des Niederrheins mit seinen religiösen Kleinstbauwerken.

 

Das Motiv: Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzung ist das „Heiligenhäuschen“. Ein regionales Phänomen und Kristallisationsfläche für Tradition sowie Bühne für ein aktives Gemeindeleben.

 

Wie verborgene Schätze begegnen sie uns im Wald oder am Wegesrand. Sie mahnen, erinnern oder bestärken. Doch welches Ausmaß diese Tradition hat, wird erst durch die dokumentarische Fotoarbeit von Frank Thon deutlich. Das Unscheinbare wird allgegenwärtig.

 

Die Metapher: Während der Arbeit hat sich gezeigt, dass die katholische Prägung der Region in den Gemeinden einen besonderen Zusammenhalt erzeugt. Hierfür spielen die sogenannten Heiligenhäuschen eine besondere Rolle. Sie sind Symbole für Beständigkeit und ein Miteinander, das über das Brauchtum und Liturgie hinausgeht und die z.T. Jahrhunderte überdauert.

 

Das Projekt: Diese regionalgeprägte inhaltliche Bedeutung wird nun um einen digitalen und überregionalen Aspekt erweitert und entgrenzt. Das Heiligenhaus wird sowohl unmittelbar als auch weit sichtbar. Unmittelbar, weil die Fotografie uns direkt mit dem Heiligenhaus konfrontiert. Weit, weil das Heiligenhaus selbst mit einer für den Ort angefertigten Lichtprojektion bestrahlt wird. Es wird zum strahlenden Kunstwerk in der Landschaft.

 

Der Aufruf: Mit unserer Arbeit schaffen wir einen Raum für Gedankenexperimente, die sich mit der Verbindung von digitalen und analogen Medien beschäftigt. Schnell wird klar, dass die Dinge nicht zu trennen sind, wenn man sie wie wir behandelt. Die Frage ist aber, wie sehen Sie diese Heiligenhäuschen?

 

Ziehen wir los und schauen nach, dort wo die Heiligenhäuschen sind!

Dieses Projekt entstand aus einer Begegnung heraus. Wir, der Fotograf Frank Thon und der bildende Künstler Becker Schmitz, führten Anfang 2020 Gespräche über zeitgenössische Fotografie und Kunst im Allgemeinen. Dabei thematisierten wir die Schönheit, der neuen deutschen Sachlichkeit, zu der Frank Thon mehr und mehr eine Beziehung aufgebaut hat. Von den Fotografien der Solinger Fachwerkhäuser ging eine Faszination und zeitlose Schönheit aus, die jenseits der flüchtigen Handyfotografie von Influencern und Netzberühmtheiten liegt.

 

Wir teilten die Beobachtung, dass die mediale Rezeptionsästhetik der sozialen Medien die Gegenwartskunst und Fotografie spürbar beeinflussen.

 

Dabei kam der Gedanke auf, diesem Zeitgeist etwas entgegen zu setzen. Es entwickelten sich ein künstlerisches Forschungsprojekt, das auf die Suche nach einem Motiv gehen sollte, das etwas Unscheinbares in sich trägt. Ein Motiv, das sich außerhalb der stereotypen Bildsprache von Instagram und Co bewegt. Die Suche führte zu uns selbst und in unsere gemeinsame Heimat. Den Niederrhein!

 

Hier fanden wir ein unberührtes Motiv, welches aus dem Fokus der Gegenwart geraten ist und doch einen immanenten Teil der regionalen Kultur abbildet: Das Heiligenhaus!

 

Frank Thon und Becker Schmitz